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Junge Ems-Dollart Philharmonie lässt keine Wünsche offen

- Lingener Tagespost, 22.02.2012 - Horst Seipelt

Im Theater an der Wilhelmshöhe hat die Junge Ems-Dollart Philharmonie unter dem Gastdirigenten Johannes Leertouwer ein viel beachtetes Konzert gegeben. Solistin war die 15-jährige Svenja Staats.
Das interessante Programm mit drei Werken der großen Musikliteratur weckte hohe Erwartungen: "Finlandia" (1899) von Jean Sibelius, Violinkonzert in e-Moll (1844) von Mendelssohn-Bartholdy, und die 4. Sinfonie (1877) von Tschaikowsky. Man durfte gespannt sein, wie das sehr junge Orchester mit diesen "Brocken" fertig würde.
"Finlandia" ist ein programmatisches Stück aus der Zeit der national-romantischen Freiheitsbewegung Finnlands, Nationalstolz auf eine klingende Formel gebracht: ein trotziger Blechbläserchoral eröffnet, die Pauken grollen dumpf, es gibt Kampfgetümmel, Fanfaren und den Hymnus der Holzbläser, eine geschickt gewählte Programmeröffnung, in der sich alle Instrumentengruppen vorstellen können. Schon hier überzeugt das jugendliche Orchester durch saubere Registerwechsel, durch präzisen Bläser- und satten Streicherklang. Ein gelungener Konzertbeginn, absolut professionell.
Mendelssohn Violinkonzert e-Moll gehört zu den schönsten Werken dieser Gattung. Die 15-jährige Solistin Svenja Staats gestaltete es mit hoher Musikalität und großer virtuoser Veranlagung, Oktavpassagen und Spitzentöne kommen griffsicher und klangschön, ihr Spiel ist in allen Lagen ausgeglichen. In der Solokadenz spielte Svenja ihre Technik und ihre erstaunliche musikalische Reife aus, im Vortrag des zweiten Themas - eine der schönsten Eingebungen Mendelssohns - verriet die junge Solistin ihre Liebe zur Romantik: Sie versenkt sich in ihr Spiel, strahlt Ruhe aus und nimmt den Ton geschmackvoll zurück.
In der großen Besetzung für Tschaikowskys 4. Sinfonie ließ es die "Junge Ems-Dollart Philharmonie" noch einmal so richtig krachen. Johannes Leertouwer ist der ideale Dirigent für dieses junge Orchester. Er führt Musiker und Publikum plastisch durch dieses gewaltige, aufwühlende Werk, man begreift die Struktur und ist überrascht von dem reichen musikalischen Geschehen. Dass hier ein sehr junges Orchester spielte, hatte man eh längst vergessen. Dieses Konzert mi der "Jungen Ems-Dollart Philharmonie" war ein überraschendes Musikerlebnis.